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  • Cory

Der Krug und ich

Du kannst aus einem leeren Krug nicht ausschenken. Eine Erinnerung, die ich mir selber und auch meinen Lieben und den Menschen, mit denen ich arbeiten darf, schenke.


Ein Satz so logisch wie vielleicht nur möglich, und doch eine tiefe Erkenntnis.


Ich durfte lernen, dass es nicht nur okay, sondern essentiell ist, mich um meinen Krug zu kümmern. Dass er nicht erst leer werden muss, bevor ich ihn erneut fülle. Dass das so unfassbar viel Energie bedarf ihn wieder zu füllen, sollte er einmal leer geschenkt sein. Dass es viel leichter ist, aus der Fülle auszuschenken, statt immer darauf zu achten, ob noch genug drinnen ist, mit einem Auge blinzelnd versuchen, den Wasserstand zu erkennen oder ob der Boden schon sichtbar ist, und dann mich selbst zu fragen, wie viel wohl noch geht.


Ich durfte lernen, dass es nichts heroischen hat, meinen Krug immer wieder zu leeren. Dass ich gar nicht erst reinblinzeln möchte, sondern schon weit vorher spüre, wenn es Zeit ist nachzufüllen. Dass einiges auch mein Wasser gar nicht braucht und dass ich es nicht ungefragt einfach aus- bzw. einschenke. Und dass ich mich immer wieder neu entscheiden darf, wem und was ich mein Wasser schenke. Das meint auch mir selbst.


Mein Krug verdient täglich meine Aufmerksamkeit. Aus Liebe für ihn, aus Liebe für mich, und aus Liebe für alle um mich herum. Denn aus einem leeren Krug kann ich schließlich nicht ausschenken, kann also weder mir noch anderen gut tun. Und das ist es, was ich möchte.


Wie so oft braucht dieses Begreifen und Erlernen Zeit und Geduld. Viel 'trial & error'. Bei mir waren es viele Jahre. Oder vielleicht sogar vier Jahrzehnte? Ich lerne immer noch das Wie und übe weiter. Verrückt wie etwas so tief sitzen kann. Selbst wenn es im Kopf vielleicht ganz klar ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch im Körper und im ganzen System angekommen und integriert ist.


Das ist die Übung. Das ist die Erkenntnis.


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